Sind eigekühlte Softgetränke weniger schädlich als warme?


Mittwoch, 20.03.2019

Wissenschaftler aus der Schweiz und der Türkei haben unter simulierten Mundhöhlenbedingungen die temperaturabhängige Erosivität von sauren Getränken untersucht. Das Ergebnis: Bei manchen Getränken steigt der Verlust der Zahnhartsubstanzen mit der Temperatur, bei anderen nicht.

Zunehmend sind säurebedingte Schäden der Zahnhartsubstanzen zu beobachten. Eine der Ursachen liegt im übermäßigen Konsum säurehaltiger und damit meist an Kalziumphosphat untersättigter Nahrungsmittel und Getränke. Unter einfachen Laborbedingungen konnte bereits gezeigt werden, dass die Stärke des erosiven Angriffs saurer Lösungen von deren Temperatur abhängt. Wie bei chemischen Reaktionen üblich, steigt die chemische Umsetzungsrate mit zunehmender Temperatur. Das bedeutet: Warme Getränke sollten eine höhere Erosivität aufweisen als kalte Getränke.

Wissenschaftler der Universität Zürich (Schweiz) und der Ege-Universität in Izmir (Türkei) haben nun in einer Studie überprüft, ob dies unter Mundhöhlenbedingungen und der dort herrschenden Temperatur ebenfalls gilt. In einem künstlichen Mund mit Rinderschmelz-Proben und unter kontrollierten Bedingungen haben sie die temperaturabhängige Erosion von fünf sauren Getränken – Orangensaft, Coca-Cola Zero, Sprite Zero und zwei Früchtetees – und Zitronensäure (Kontrolle) bei Temperaturen von 5 bis 55 °C untersucht. Zunächst wurden die pH-Werte und der Gesamtkalziumgehalt aller Testgetränke bestimmt. Die Rinderschmelz-Proben wurden in dem künstlichen Mund bei 37 °C fixiert, um physiologische Mundbedingungen nachzuahmen.

Um den Konsum eines Getränkes zu simulieren, flossen die temperierten Lösungen langsam über die erwärmten Proben. Alternierend wurden die Proben mit 37 °C warmem künstlichen Speichel überspült. Das führte zu wechselnden De- und Remineralisationsbedingungen. Dabei wurde die Aufnahme von sechs Getränken innerhalb von sechs Stunden imitiert, gefolgt von einer sechsstündigen Remineralisierungsphase, in der nur künstlicher Speichel über die Proben lief. Den erosiven Schmelzverlust bestimmten die Wissenschaftler mittels Oberflächen-Kontaktprofilometrie, die Unterschiede bei den verschiedenen Temperaturen werteten sie statistisch aus.

Die steigende Flüssigkeitstemperatur veränderte den pH-Wert nicht wesentlich. Den größten Substanzverlust bewirkte Zitronensäure (33,6 ± 6 µm bis 38,7 ± 6 µm), während Früchtetee (0,8 ± 1 µm bis 5,9 ± 1 µm) nur wenig Erosion hervorrief. Die steigende Flüssigkeitstemperatur führte bei Zitronensäure, Orangensaft und Coca-Cola Zero zu keinem signifikant erhöhten Substanzverlust. Sprite Zero und beide Früchtetees verursachten jedoch bei erhöhter Temperatur signifikant mehr Schmelzverlust.

Die Studie zeigt also, dass sich unter simulierten Mundhöhlenbedingungen nicht bei allen untersuchten Getränken die Erosivität temperaturbedingt ändert. Den Patienten ist dennoch zu empfehlen, die Temperatur saurer Getränke so niedrig wie möglich zu halten, um das Risiko eines erosiven Zahnverlustes zu verringern.

Quelle: Steiger-Ronay V, Steingruber A, Becker K, Aykut-Yetkiner A, Wiedemeier DB, Attin T: Temperature-dependent erosivity of drinks in a model simulating oral fluid dynamics. J Dent. 2018 Mar;70:118-123.