Octenidin oder Chlorhexidin – Welche Mundspüllösung eignet sich besser?


Montag, 17.12.2018

Seit Jahrzehnten wird Chlorhexidin zur antibakteriellen Spülung der Mundhöhle eingesetzt und stellt quasi den Goldstandard bei den Mundspüllösungen dar. Immer wieder werden jedoch Nebenwirkungen wie die lästigen Zahnverfärbungen oder auch potenziell schädigende Effekte auf menschliche Zellen diskutiert. Aber gibt es eine Alternative? Der Wirkstoff Octenidin wird häufig genannt – wie ist er im Vergleich zu Chlorhexidin einzuschätzen?

Mundspüllösungen wurden zur Unterstützung der Mundhygiene entwickelt und werden vor allem angewendet, wenn die Mundhygienefähigkeit aufgrund von bakteriell induzierter Entzündung von Gingiva und Mukosa oder nach einem parodontalchirurgischen Eingriff eingeschränkt ist. Weiterhin empfiehlt sich der adjuvante Einsatz von oralen Antiseptika ergänzend zum Zähneputzen bei Risikogruppen wie Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen oder mit einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung (1). Grundsätzlich sollen diese Mundspüllösungen die Biofilmbildung (Plaque) verhindern bzw. verlangsamen. Je nach Wirkstoff wirken sie antibakteriell, bakterizid und/oder fungizid.  

Der Wirkstoff Chlorhexidindigluconat hat sich über viele Jahre als Standard bei Mundspüllösungen zur antibakteriellen Therapie der Gingivitis etabliert. Er zählt zur Wirkstoffgruppe der Biguanide und zerstört bei geringer Wirkstoffkonzentration die Membranintegrität, während bei hoher Konzentration die Gerinnung des Zytoplasmas induziert wird. Dabei wirkt Chlorhexidin vorwiegend bakteriostatisch und weist eine Wirkstofflücke im Bereich gramnegativer Bakterien auf.  Die hohe Substantivität des Wirkstoffes führt jedoch zu einer langen Verweildauer auf den Oberflächen der Mundhöhle, aus der sich die effektive Wirkung der Mundspüllösungen ableiten lässt. In der klinischen Anwendung haben sich Wirkstoffkonzentration von 0,1 bis 0,2 % etabliert (1). Ab einer Wirkstoffkonzentration von 4 % werden allergische, teils auch anaphylaktische Reaktionen beschrieben. Neben der Prävention und Therapie von Gingivitis werden Chlorhexidin-basierte Mundspüllösungen auch zur Verhütung nosokomialer Infektionen bei Patienten nach Herzoperationen eingesetzt. Eine langfristige Anwendung ist nicht zu empfehlen, da unerwünschte Nebenwirkungen wie Geschmacksirritationen und Zahnverfärbungen den Patientenkomfort erheblich beeinträchtigen können. Des Weiteren wurden in verschiedenen Untersuchungen zytotoxische Effekte Chlorhexidin-basierter Mundspüllösungen auf humane Epithelzellen sowie Fibroblasten nachgewiesen (1–3).

Die beschriebenen Nebenwirkungen, Limitationen und zytotoxischen Effekte von Chlorhexidin erklären die Suche nach einer alternativen Mundspüllösung mit vergleichbarer antibakterieller Effektivität bei besserer biologischer Verträglichkeit durch körpereigene Zellen. Ein erweitertes Wirkspektrum im gramnegativen Bereich ist ebenso wünschenswert. Der Wirkstoff Octenidin-Dihydrochlorid, welcher bereits seit Längerem in Hautantiseptika Verwendung findet, wurde in Form der Mundspüllösung Octenidol auch in der Zahnmedizin etabliert und stellt möglicherweise eine potente Alternative zu Chlorhexidin dar (1–4).

Der Wirkstoff zählt zur Gruppe der Bispyridinamine und weist eine starke Adhärenz auf negativ geladenen Lipidzellmembranen von Bakterien auf. Damit geht ein breites antimikrobielles Wirkspektrum einher, das sich in viruzider, fungizider und bakterizider Wirksamkeit, sowohl gegen grampositive als auch -negative Bakterien, manifestiert. Des Weiteren verhindert Octenidin Plaqueneubildung, ohne die physiologische mikrobielle Flora der Mundhöhle zu verändern (1). Aufgrund des bitteren Eigengeschmacks wurde Octenidin lange Zeit nicht als Wirkstoff in Mundspüllösungen angewendet. Inzwischen ist mit einer 0,1-%igen Wirkstoffkonzentration und unter Beimischung von Zusatz- und Aromastoffen die Markteinführung von Octenidol® erfolgt. Im Vergleich zu Chlorhexidin zeigten verschiedene Studien eine vergleichbare Effektivität hinsichtlich der Hemmung von Bakterienwachstum und Plaqueneubildung (1). Dabei induziert Octenidol verglichen mit Chlorhexidin geringfügig weniger zytotoxische Effekte bei Kontakt mit humanen Zellen (Fibroblasten sowie Epithelzellen) (2, 3). Das erweitere Wirkspektrum, insbesondere im gramnegativen Bereich, ist ein weiterer relevanter Vorteil der Octenidol-Mundspüllösung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Octenidin eine potenzielle Alternative zu Chlorhexidin als orales Antiseptikum darstellt. Die Datenlage zur Anwendung von Chlorhexidin ist allerdings nach wie vor deutlich umfangreicher als zu Octenidol. Vor einer abschließenden Bewertung hinsichtlich der Präferenz einer der beiden Mundspüllösungen sind daher die Ergebnisse aktuell laufender klinischer Studien zu Wirksamkeit, Patientenakzeptanz und möglichen Nebenwirkungen abzuwarten.

Dr. med. dent. Jana Schmidt; Univ.-Prof. Dr. Rainer Haak, MME; Universitätsklinikum Leipzig

Literatur:

  1. Welk A, Zahedani M, Beyer C, Kramer A, Müller G. Antibacterial and antiplaque efficacy of a commercially available octenidine-containing mouthrinse. Clin. Oral Investig. 2016 Sep; 20(7):1469-76.
  2. Schmidt J, Zyba V, Jung K, Rinke S, Haak R, Mausberg RF, Ziebolz D. Effects of octenidine mouth rinse on apoptosis and necrosis of human fibroblasts and epithelial cells - an in vitro study. Drug Chem. Toxicol. 2018 Apr;41(2):182-187.
  3. Schmidt J, Zyba V, Jung K, Rinke S, Haak R, Mausberg RF, Ziebolz D. Cytotoxic effects of octenidine mouth rinse on human fibroblasts and epithelial cells - an in vitro study. Drug Chem. 2016;39(3):322-30.
  4. Lorenz K, Jockel-Schneider Y, Petersen N, Stölzel P, Petzold M, Vogel U, Hoffmann T, Schlagenhauf U, Noack B. Impact of different concentrations of an octenidine dihydrochloride mouthwash on salivary bacterial counts: a randomized, placebo-controlled cross-over trial. Clin Oral Investig. 2018 Nov;22(8):2917-2925.