Vorbehandlung von demineralisiertem Schmelz mit Kariesinfiltranten empfehlenswert


Dienstag, 20.03.2018

Lässt sich der Randschluss von Kompositrestaurationen, die an initiale Schmelzläsionen angrenzen, durch vorherige Infiltration der Läsion verbessern? Einer aktuellen Studie zufolge ja – allerdings hängt das Ergebnis vom verwendeten Adhäsiv ab. 

Oftmals grenzen durch Karies entstandene Kavitäten an demineralisierten Schmelz bzw. sogenannte White-spot-Läsionen. Bei der Präparation der entsprechenden Kavität für eine adhäsiv-verankerte Kompositfüllung muss sich der Zahnarzt entscheiden, ob er diesen demineralisierten Bereich in die Kavität mit einbezieht oder nicht. Um die Substanz zu schonen, scheint es aus heutiger Sicht angebracht zu sein, diese Bereiche nicht mit in die Kavitätenpräparation für eine adhäsiv-verankerte Kompositfüllung mit einzubeziehen. Dies bedeutet aber, dass der adhäsive Verbund des im Rahmen der Füllungslegung verwendeten Adhäsivs in diesem demineralisierten, aufgelockerten Schmelz stabil und verlässlich sein sollte. Kariesinfiltranten können porösen, demineralisierten Schmelz mit einer Kunststoffmatrix imprägnieren und damit stabilisieren. Es ist also vorstellbar, dass eine Vorbehandlung eines porösen Kavitäten-Randbereiches mit einem Infiltranten vor Auftragen eines üblichen Adhäsivs den Randbereich stabilisiert und somit die Randqualität von Kompositfüllungen verbessert. Zu dieser klinisch relevanten Fragestellung liegen bislang allerdings noch keine Studien vor.

Untersucht wurde das nun in einer In-vitro-Studie an der Universität Zürich. Die Wissenschaftler wählten dazu ein Modell, bei dem Klasse-V-Restaurationen mit verschiedenen Adhäsiven angefertigt wurden. Zuvor war die an die Kavität angrenzende initiale Schmelzläsion mit dem Kariesinfiltranten behandelt worden oder nicht.

Insgesamt 60 Proben von Rinderschneidezähnen wurden zunächst 21 Tage in einer Säurepuffer-Lösung mit einem pH-Wert von ca. 4,9 gelagert und dadurch demineralisiert. In die so entstandenen künstlichen Schmelzläsionen präparierten die Wissenschaftler dann standardisierte, kreisförmige Klasse-V-Kavitäten. Bei je zehn Kavitäten erfolgte die adhäsive Vorbehandlung entweder mit einem ungefüllten Etch-and-Rinse-Adhäsiv (Syntac Classic; Ivoclar Vivadent), einem gefüllten Etch-and-Rinse-Adhäsiv (Optibond FL; Kerr) oder einem selbstätzenden Adhäsiv (iBond Self Etch; Heraeus Kulzer). Bei je zehn weiteren Kavitäten wurde der demineralisierte Schmelz vor dem Auftragen des jeweiligen Adhäsivs mit einem Kariesinfiltranten (Icon; DMG) vorbehandelt. Alle Kavitäten wurden mit einem nanogefüllten Komposit (Filtek Supreme XTE, 3M Espe) verschlossen. Eine Thermowechsellast – 5000 Mal Temperaturwechsel von 5 zu 55 °C – ließ die Zähne anschließend künstlich altern. Dann wurde die Randqualität der Restaurationen mit einem Rasterelektronenmikroskop analysiert. Der dabei ermittelte Prozentsatz an kontinuierlichem, also fugenfreiem Rand der Füllungen, wurde statistisch ausgewertet.

Die signifikant beste Randqualität unter allen sechs Probengruppen zeigte sich in den beiden Gruppen, in denen die Füllungen mit dem Adhäsiv Optibond FL vorbehandelt worden waren – und zwar unabhängig davon, ob der demineralisierte Schmelz zuvor auch mit dem Infiltranten vorbehandelt wurde. Die Vorbehandlung von demineralisiertem Zahnschmelz mit dem Infiltranten verbesserte signifikant die Randqualität bei den mit Syntac Classic und iBond Self Etch adhäsiv verankerten Füllungen. Beim Adhäsiv Optibond FL führte die vorherige Vorbehandlung mit dem Infiltranten zu keiner Veränderung der Randqualität.

Die Ergebnisse zeigen, dass es anscheinend von der Art des Adhäsivs abhängt, ob eine vorherige Kariesinfiltration die Randqualität von Füllungen in demineralisiertem Schmelz verbessert. Der Studie zufolge kann diese Aussage streng genommen nur für das selbstätzende Adhäsiv (iBond Self Etch) oder das ungefüllte Adhäsiv (Syntac Classic) getroffen werden. Es gilt aber auch hervorzuheben, dass die vorherige Anwendung des Infiltranten bei keinem der untersuchten Adhäsive die Randqualität verschlechtert hat. Somit scheint nach derzeitigem Kenntnisstand eine Vorbehandlung von demineralisierten Schmelz-Randbereichen einer Kavität mit einem Kariesinfiltranten empfohlen werden zu können, sodass diese Bereiche nicht zwingend in die Kavitätenpräparation mit einbezogen werden müsste.

Prof. Thomas Attin, Universität Zürich

Quelle:
Körner P, El Gedaily M, Attin R, Wiedemeier DB, Attin T, Tauböck TT: Margin integrity of conservative composite restorations after resin infiltration of demineralized enamel. J Adhes Dent 19:483-489 (2017)