Kindliche Adipositas gefährdet die Mundgesundheit


Montag, 18.12.2017

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig oder adipös. Neben der sozialen Stigmatisierung steigt das Risiko für allgemeinmedizinische Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Haltungsschäden, aber auch für dentale und parodontale Komorbiditäten.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Kariesprävalenz bei Kindern mit Adipositas in Europa zumeist erhöht ist. Bei beiden Erkrankungen spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Das Erkrankungsrisiko kann steigen, wenn die Kinder und Jugendlichen regelmäßig zuckerhaltige Getränke konsumieren, große Mengen niedermolekularer Kohlenhydrate verzehren und nur wenig Früchte und Gemüse essen. Darüber hinaus beeinflussen sozioökonomische Faktoren beide Erkrankungen.

Neben der erhöhten Kariesprävalenz könnte auch das Risiko für die Entstehung erosiver Zahnhartsubstanzdefekte bei übergewichtigen und adipösen Kindern erhöht sein. Eigene Untersuchungen haben ergeben, dass die Prävalenz dentaler Erosionen mit zunehmendem BMI (Body-Mass-Index) bei Kindern und Jugendlichen ansteigt. Viele zuckerhaltige und damit hochkalorische Getränke können aufgrund ihres Säuregehalts bei häufigem Konsum erosive Läsionen verursachen. Interessanterweise konnte ebenfalls gezeigt werden, dass übergewichtige oder adipöse Kinder entweder eine erhöhte Karies- oder eine erhöhte Erosionsprävalenz aufwiesen, selten aber beide Erkrankungen gleich stark auftraten. Möglicherweise ist für die Entwicklung von Karies und Erosionen bei adipösen Patienten auch eine verminderte Speichelfließrate mitverantwortlich. Diese kann durch eine chronische Entzündung der Speicheldrüsen entstehen, die durch im Fettgewebe synthetisierte proinflammatorische Adipokine und Zytokine induziert wird.

Schließlich kann eine Adipositas auch die Entstehung der Parodontitis begünstigen und umgekehrt. Dabei spielen einerseits die Produktion der Adipokine und Zytokine im Fettgewebe sowie die reduzierte Immunantwort bei adipösen Patienten eine mögliche Rolle. Andererseits können parodontopathogene Bakterien und Entzündungsmediatoren die Produktion der proinflammatorischen Adipokine und Zytokine beeinflussen. Bislang liegen zu parodontalen Komorbiditäten bei adipösen Kindern und Jugendlichen nur wenige Daten vor. Zumindest für ältere adipöse Jugendliche konnte aber ein höheres Parodontitis-Risiko nachgewiesen werden.

Es lohnt sich also, übergewichtige und adipöse Kinder sowie deren Eltern sowohl bei zahnmedizinischen als auch kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen darauf hinzuweisen, wie sich Adipositas auf die Mundgesundheit auswirken kann.

Dr. Claudia Tschammler und Prof. Dr. Annette Wiegand, Universitätsmedizin Göttingen

 

Literatur:

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Hooley M, Skouteris H, Boganin C, Satur J, Kilpatrick N: Body mass index and dental caries in children and adolescents: a systematic review of literature published 2004 to 2011. Syst Rev 2012,1: 57

Hrasky V, Tschammler C, Simon A, Röbl M, Brockmann K, Wiegand A: Auftreten dentaler Erosionen bei übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen. DZZ 2017, 5: D29-D30

Modeer T, Blomberg C, Wondimu B, Lindberg TY, Marcus C: Association between obesity and periodontal risk indicators in adolescents. International journal of pediatric obesity: an official journal of the International Association for the Study of Obesity 2011, 6: e264-70