Zahnärztliche Implantate gesund erhalten


Donnerstag, 07.09.2017

Bestimmte Erkrankungen und Risikofaktoren gefährden das Langzeitüberleben von Zahnimplantaten. Um das Risiko von Implantatverlusten zu verringern, empfehlen Zahnmediziner Präventionsmaßnahmen, eine individuelle Risikoabschätzung, Biofilmkontrolle sowie eine regelmäßige professionelle Betreuung.

Zahnärztliche Implantate nehmen aufgrund sehr guter Langzeitüberlebensraten  beim Ersatz fehlender Zähne eine bedeutende Rolle ein (1). Allerdings können verschiedene technische und biologische Komplikationen (Misserfolge) zu Implantatverlusten führen, als wesentliche biologische Komplikationen gelten periimplantäre Erkrankungen, wie die periimplantäre Mukositis und Periimplantitis (2). Hierbei handelt es sich um multifaktorielle, primär bakteriell bedingte Entzündungen der implantatumgebenden Weich- und Knochengewebe (2, 3). Die periimplantäre Mukositis stellt in der Regel eine reversible Entzündung der periimplantären Mukosa dar. Davon abzugrenzen ist die Periimplantitis, welche zusätzlich eine irreversible Schädigung des Knochens aufweist (Knochenverlust) (2, 3).

Aufgrund des multifaktoriellen Erkrankungsgeschehens spielen auch verschiedene Risikofaktoren eine zentrale Rolle. Heute ist eine Vielzahl gesicherter sowie allgemeiner Risikofaktoren bekannt (2-5).

Gesicherte Risikofaktoren:

  • parodontale Vorerkrankungen
  • mangelnde Compliance/schlechte Mundhygiene
  • Rauchen

Allgemeine Risikofaktoren:

  • Diabetes mellitus (instabil)
  • Alkoholkonsum

Auch Medikamente, die Qualität der implantatumgebenden Gewebe, implantatprothetische Versorgungen sowie lokale Reizfaktoren (Schraubenlockerung, Zementüberschüsse, Fehlpositionierung) können die Entstehung und das Fortschreiten periimplantärer Entzündungen begünstigen. Um den periimplantären Erkrankungen schon langfristig vorbeugen zu können, sind mögliche Risikofaktoren frühzeitig – möglichst vor Implantation – zu erfassen, im Weiteren zu berücksichtigen und auszuschalten bzw. zu kontrollieren (2, 4).

Da einmal etablierte periimplantäre Erkrankungen schwierig erfolgreich zu therapieren sind, stellt die langfristige Prävention eine wesentliche Grundlage für den Therapieerfolg dar (4-6). Hierbei sind das Erkennen und damit die regelmäßige klinische Untersuchung der periimplantären Gesundheit und Stabilität durch den Zahnarzt essenziell (7). Dadurch kann der Entzündungszustand der periimplantären Gewebe sicher eingeschätzt und entsprechend frühzeitig interveniert werden.

Darüber hinaus sind neben der Motivation und Instruktion der Patienten zur optimalen persönlichen Mund- und Implantatpflege auch die lückenlose professionelle Betreuung und Biofilmkontrolle durch das zahnärztliche Team wesentliche Stützpfeiler der Prävention. Hierdurch können  dauerhaft gesunde Verhältnisse in der gesamten Mundhöhle und insbesondere der implantatumgebenden Strukturen erhalten werden (3-5). Zur Mundhygiene eignen sich sowohl Hand- als auch elektrische Zahnbürsten (3-5). Es erscheint sinnvoll, ein System zu wählen, welches  der Patient gut umsetzen kann. Zur Interdentalraumreinigung sind sowohl Zahnzwischenraumbürsten als auch spezielle flauschige  Zahnseide (z. B. Super floss) geeignet. Bisher gibt es keinen gesicherten Beleg für einen zusätzlichen Nutzen chemischer Agenzien zur Biofilmkontrolle (3-5, 8). Bei der professionellen Implantatpflege (inklusive Zahn- und Implantatreinigung) durch das zahnärztliche Personal ist besonders wichtig zu entscheiden, wie häufig sie durchgeführt werden sollte.

Das Nachsorgeintervall muss unter Berücksichtigung der Risikofaktoren individuell (risikoorientiert) auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt werden, wobei mindestens ein halbjährliches Intervall angeraten ist (3-5). Im ersten Jahr nach Implantation ist eine drei- bis viermal jährliche professionelle Betreuung empfehlenswert (Recallintervall drei bis vier Monate). Sollten keine Risikofaktoren bestehen, sind Termine alle sechs Monate ab dem zweiten Jahr nach Implantation sinnvoll (3-5).

Zusammenfassend können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Bereits vor der Implantation sollte der Patient über Ursachen und Vorbeugung periimplantärer Erkrankungen sowie die Notwendigkeit der Präventionsmaßnahmen und der damit verbundenen Kosten informiert und aufgeklärt werden.
  • Das individuelle Risiko ist unter Beurteilung vorliegender Risikofaktoren bereits frühzeitig abzuschätzen und fortlaufend zu aktualisieren.
  • Patienten sollten eine suffiziente persönliche Biofilmkontrolle durchführen, wobei Auswahl und Einsatz geeigneter Mundhygienehilfsmittel individuell erfolgen kann.
  • Eine kontinuierliche und risikoorientierte professionelle Betreuung sollte mindestens halbjährlich erfolgen.

PD Dr. Dirk Ziebolz, Dr. Gerhard Schmalz und Prof. Dr. Rainer Haak, Universitätsklinikum Leipzig

Literatur:

  1. Frisch E, Ziebolz D, Rinke S. Long-term results of implant-supported over-dentures retained by double crowns: a practice-based retrospective study after minimally 10 years follow-up. Clin Oral Implant Res. 2013;24:1281-7.
  2. Ziebolz D, Schmalz G, Rinke S. Periimplantäre Erkrankungen –Erkennen, Therapieren und Vorbeugen Teil 1: Erkennen – Grundlagen und Diagnostik. Implantologie Journal 2016; 4: 12-19
  3. Schmalz G, Rinke S, Ziebolz D. Diagnostik periimplantärer Erkrankungen – Ist die Erhebung klinischer Befunde ausreichend? ZWR – Das Deutsche Zahnärzteblatt 2016; 125: 2–8
  4. Schmalz G, Rinke S, Ziebolz D. Periimplantäre Erkrankungen –Erkennen, Therapieren und Vorbeugen Teil 3: Langfristige Implantatgesundheit durch Prävention. Implantologie Journal 2016; 9: 30-34
  5. Schmalz G, Rinke S, Ziebolz D. Vorrausschauende Diagnostik und präventionsorientierte Therapie periimplantärer Erkrankungen. Prophylaxe Impuls 2/2017, 62-69
  6. Rinke S, Schmalz G, Ziebolz D.  Periimplantäre Erkrankungen –Erkennen, Therapieren und Vorbeugen Teil 2: Therapie von Mukositis und Periimplantitis Implantologie Journal 2016; 10-16
  7. Ziebolz D, Schmalz G, Gollasch D, Eickholz P, Rinke S. Microbiological and aMMP-8 findings depending on peri-implant disease in patients undergoing supportive implant therapy. Diagn Microbiol Infect Dis. 2017;88:47-52.
  8. Ziebolz D, Klipp S, Schmalz G, Schmickler J, Rinke S, Kottmann T, Fresmann S, Einwag J. Comparison of different maintenance strategies within supportive implant therapy for prevention of  peri-implant inflammation during the first year after implant restauration – a randomized, practice-based multicenter study of a dental hygienist setting. Am J Dent 2017 [in press]