Dentale Erosionen bereits im Milchgebiss


Dienstag, 06.12.2016

Auch im Milchgebiss treten dentale Erosionen häufig auf und haben Vergleichsstudien zufolge in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland zugenommen. Bei etwa jedem 20. Kind ist es demnach notwendig, die Defekte restaurativ zu behandeln.

Dentale Erosionen sind definiert als nicht-kariöse Abnutzungen der Zähne, die durch den häufigen Kontakt mit Magensäure oder sauren Getränken oder Lebensmitteln, wie Fruchtsäften, Erfrischungsgetränken und Zitrusfrüchten, hervorgerufen werden. In den vergangenen Jahrzehnten nahmen erosive Läsionen bei Erwachsenen kontinuierlich zu. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass Erosionen auch bereits im Milchgebiss von Kindern vorkommen können. Es ist allerdings nicht bekannt, ob die Prävalenz der Erkrankung tatsächlich zunimmt und die Erkrankung somit von größerer Relevanz für die zahnärztliche Betreuung von Kindern ist.

Daher wurden in den Jahren 2004/05 und 2014/15 zwei epidemiologische Untersuchungen zum Vorkommen, der Verteilung und dem Schweregrad erosiver Läsionen bei Göttinger Kindergartenkindern im Alter von drei bis sechs Jahren durchgeführt, die einen direkten Vergleich hinsichtlich der Prävalenz von Erosionen erlauben. Neben der klinischen Untersuchung von 432 (2004/05) bzw. 775 (2014/15) Kindern erfolgte eine Befragung der Eltern zu Ernährungsgewohnheiten, chronischen Erkrankungen, Medikationen und der Zahnpflege.

2004/05 wies jedes dritte Kind (32,0 %) mindestens einen von Erosion betroffenen Zahn auf. Zehn Jahre später war die Prävalenz auf 45,4 % gestiegen. 2014/15 waren bei den betroffenen Kindern insgesamt mehr Zähne mit Erosionen zu finden als zehn Jahre zuvor und die Erkrankung wies einen höheren Schweregrad auf. Obwohl bei der Mehrheit der Kinder insgesamt kein oder nur ein geringes Erosionsrisiko bestand, stieg der Anteil der Kinder mit restaurativem Behandlungsbedarf im Beobachtungszeitraum von 2,3 % auf 5,5 %.

In beiden Untersuchungen nahm die Prävalenz mit dem Alter der Kinder zu und Jungen waren häufiger betroffen als Mädchen. Ferner konnten in der Untersuchung von 2014/15 bestimmte ernährungsbedingte Faktoren als signifikante Risikofaktoren für das Auftreten dentaler Erosionen identifiziert werden, etwa der regelmäßige Konsum von Fruchtsäften und Limonade bzw. Cola. Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung, speziell im Hinblick auf geeignete zahnmedizinische Präventionsmaßnahmen bei (Klein-)Kindern.

Quelle: Tschammler C, Müller-Pflanz C, Attin T, Müller J, Wiegand A: Prevalence and risk factors of erosive tooth wear in 3–6 year old German kindergarten children—A comparison between 2004/05 and 2014/15. Journal of Dentistry 52: 45-49