Schaden Vitamin- und Mineralpräparate den Zähnen?


Dienstag, 19.07.2016

Auch wenn viele Menschen Brausetabletten mit Vitaminen und Mineralien als gesund erachten, können sie für Zahnhartsubstanzen schädlich sein. In einer neuen Studie zeigten manche Präparate ein deutliches erosives Potenzial. Die Autoren empfehlen, die Patienten entsprechend aufzuklären. 

Unter Zahnerosion versteht man den Verlust von Zahnhartsubstanz – also Zahnschmelz und Dentin –, der durch den direkten Kontakt der Zähne mit Säuren etwa aus Getränken, Nahrungsmitteln oder dem Magen verursacht wird. Die Säuren können die Zahnhartsubstanzen auflösen, wobei dies schleichend und oft unbemerkt geschieht. Klinisch werden die Zähne oft zunehmend transparenter und empfindlicher. Auch auflösbare Vitamintabletten enthalten organische Säuren, zum Beispiel Zitronensäure, Weinsäure und Apfelsäure, um die Löslichkeit der Tabletten und das Sprudeln zu gewährleisten. Neben zusätzlichen Vitaminen verfügen einige Produkte über Beimischungen verschiedener Mineralien wie Kalzium oder Magnesium.

Da diese Tabletten sehr häufig als Nahrungsergänzung angewendet werden, haben Wissenschaftler aus der Schweiz erstmals das erosive Potenzial sowohl reiner Vitamin-Brausetabletten (Vitamin BT) als auch von Vitamin-Brausetabletten mit Mineralzusätzen (Vitamin + Mineral BT) getestet. Dabei wurden diese in der Schweiz erhältlichen Präparate untersucht:

  • Vitamin BT: Actilife-Multivitamin, Sunlife Vitamin C, Optisana Vitamin C, Optisana Multivitamin, Well & Aktiv Multivitamin, Kneipp Vitamin C + Zink sowie Sunlife Multivitamin
  • Vitamin + Mineral BT: Qualité & Prix, Optisana, Well & Aktiv, Actilife All in One, Berocca, Isostar sowie Qualité & Prix Mg + Vit C

Die Forscher testeten das erosive Potenzial dieser Präparate an Rinderschmelz-Proben. Es ist nachgewiesen, dass Rinderschmelz menschlichem Schmelz sehr ähnlich ist – deshalb werden in Untersuchungen häufig Rinderzähne statt menschlicher Zähne verwendet. Nachdem die Rinderschmelz-Proben mit den aufgelösten Brausetabletten behandelt worden waren, wurde mit einem Profilometer der Schmelzverlust gemessen. Mit einem Profilometer lassen sich mikroskopische oder submikroskopische Oberflächenveränderungen feststellen.

Alle Vitaminpräparate führten zu einem erosiven Schmelzverlust. Den höchsten Schmelzverlust beobachteten die Wissenschaftler bei Sunlife Multivitamin, den niedrigsten bei Actilife-Multivitamin. Bei einigen Vitamin-Mineral-Kombinationspräparaten ergab sich kein Schmelzverlust. Dabei handelte es sich vor allem um Produkte, die neben dem Vitamin zusätzlich Kalzium enthielten. Bei den Kombinationspräparaten verursachten Isostar und Qualité & Prix Mg + Vit C  den größten Schmelzverlust. Diese beiden Produkte enthielten neben Vitaminen auch Kalzium und Magnesium.

Quelle: Wegehaupt FJ, Lunghi N, Hogger VM, Attin T (2016): Erosive potential of vitamin and vitamin+mineral effervescent tablets. Swiss Dent J 126(5):457-465