Reinigung der Zahnzwischenräume mit Schallzahnbürste oder Munddusche?


Dienstag, 06.10.2015

Der bakterielle Biofilm auf Zahnoberflächen und Mundschleimhaut verursacht Karies und Parodontopathien. Im für Zahnbürsten schwer zugänglichen Approximalbereich lässt sich der Biofilm mittels Munddusche deutlich besser entfernen als mit einer Schallzahnbürste. Das ergab eine neue Studie der Universität Zürich und der Universität Regensburg. Bei der Munddusche entstehen etwa zehnmal größere Schubkräfte.

Zur Gesunderhaltung der Zähne und des Zahnhalteapparats muss der bakterielle Biofilm regelmäßig mit mechanischen Mitteln, wie zum Beispiel der Zahnbürste, im Rahmen der täglichen Mundhygiene entfernt werden. Dies gelingt in der Regel aber nicht vollständig, da die Borsten der Zahnbürste verschiedene Nischen in der Mundhöhle wie die Zahnzwischenräume (Approximalräume) kaum erreichen. Dort wirken lediglich indirekte Kräfte: Beim Zähneputzen entstehen hydrodynamische Kräfte, die das Speichel-Zahnpasta-Gemisch, auch „Slurry“ genannt, in die Approximalräume pressen. Will man die Wirkung dieses Slurry untersuchen, misst man die sogenannte Schubspannung, die in Megapascal ausgedrückt wird.

Um zu untersuchen, ob der bakterielle Biofilm in diesem Bereich tatsächlich entfernt wird und wie hoch die auftretende Schubspannung ist, nutzt man ein Studienmodell, das die Verhältnisse in der Mundhöhle simuliert – eine Untersuchung direkt in der Mundhöhle ist zurzeit leider nicht mit ausreichender Genauigkeit möglich. In früheren Studien wurden verschiedene Schall- und Handzahnbürsten hinsichtlich ihrer hydrodynamischen Kräfte verglichen. Die Schallzahnbürste entfernte den Biofilm im Zahnzwischenraum besonders effektiv. Mundduschen wurden bisher nur in klinischen Studien getestet. Dabei wurde zwar ihr Einfluss auf Gingivitis, Blutungsindizes und Plaque analysiert, nicht aber auf den Biofilm in den Zahnzwischenräumen.

In der neuen Studie haben die Wissenschaftler daher nun den Einfluss einer Schallzahnbürste (Waterpik Sensonic SR-3000E) und den einer Munddusche (Waterfloss, Waterpik, Sensonic WP-100E) auf den approximalen Biofilm miteinander verglichen. Dafür simulierten sie die Reinigung von Approximalflächen in einem Studienmodell. Der Biofilm wurde mithilfe menschlichen Speichels auf Hydroxylapatit-Scheiben kultiviert, um die Untersuchung so nah wie möglich an die Situation in der Mundhöhle anzugleichen. Im Test wurde dann die Reinigungskraft von Schallzahnbürste und Munddusche sowohl für junge als auch für reife Plaque untersucht.

Das Ergebnis überraschte: Die Munddusche konnte den in vitro mit verschiedenen Bakterienstämmen gezüchteten Biofilm deutlich besser entfernen als die Schallzahnbürste. Dieser Effekt war am deutlichsten bei jungem Biofilm, wie er an Tag 1 der Kultivierung vorzufinden war. Ließ man den Biofilm reifen und die Bakterienstämme sich vermehren, reduzierte sich der Unterschied zwischen Munddusche und Schallzahnbürste etwas. Während bei der Munddusche Schubkräfte von 110 bis 200 MPa entstanden, konnte man bei der Schallzahnbürste nur etwa 15 MPa messen.

Prof. Dr. Thomas Attin, Universität Zürich

Quelle: Tawakoli PN, Sauer B, Becker K, Buchalla W, Attin T: Interproximal biofilm removal by intervallic use of a sonic toothbrush compared to an oral irrigation system. BMC Oral Health (2015) 15:91