Kariesinfiltration erstmals zerstörungsfrei darstellbar


Montag, 15.12.2014

Mit der Infiltration lässt sich bei nicht eingebrochenen Zahnoberflächen das Fortschreiten einer kariösen Läsion hemmen. Bisher war es allerdings nicht möglich, das Eindringen des Infiltranten in die Zahnhartsubstanz zerstörungsfrei darzustellen. Der Forschergruppe um Professor Rainer Haak und Dr. Hartmut Schneider aus der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Universitätsklinikums Leipzig ist es jetzt mit einer speziellen Methode gelungen, den Vorgang der Kariesinfiltration am unzerstörten Zahn zu visualisieren. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung am 5. und 6. September 2014 in Hamburg wurden diese Ergebnisse erstmals öffentlich präsentiert.

Kariöse Läsionen ohne Oberflächeneinbruch weisen dennoch kleine Poren zwischen den Kristallen des Zahnschmelzes auf. Diese bieten den kariogenen Säuren der Bakterien eine Angriffsfläche. Deshalb werden diese Hohlräume bei der Infiltrationsbehandlung mit einem sehr dünnfließenden Versiegelungsmaterial auf Monomerbasis aufgefüllt. Die bisher veröffentlichten klinischen Studien zeigen allesamt, dass dadurch das Fortschreiten kariöser Läsionen mindestens verlangsamt, teilweise auch gestoppt werden kann. Eine entscheidende Frage ist aber: In welchem Ausmaß können die kariösen Läsionen im klinischen Alltag aufgefüllt werden? Bisher kann der Zahnarzt das Eindringen des Infiltranten visuell nicht verfolgen und auch auf dem Röntgenbild wird das Material nicht dargestellt.

Mit der optischen Kohärenztomografie (OCT) ist es den Leipziger Wissenschaftlern gelungen, die Ätzung der pseudointakten Oberflächenschicht und die Monomerinfiltration zerstörungsfrei und in Echtzeit im Schnittbild der kariösen Läsion abzubilden. So lässt sich auf dem Bildschirm die Front des Monomers während der Penetration in die kariöse Läsion beobachten – momentan nur im Labor, aber erste klinische Tests wurden bereits durchgeführt. Ein entscheidender Vorteil der OCT: Das für die Messung verwendete Licht ist für den Patienten völlig ungefährlich. In der Augenheilkunde setzt man die Methode bereits in der Routinediagnostik ein.

Prof. Dr. Rainer Haak, Universität Leipzig

Quelle: H. Schneider, C. Rüger, C. Gutsche, T. Meißner, J. Schmidt, R. Haak; Darstellung der Kariesinfiltration mit optischer Kohärenztomografie, Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) 2014, Hamburg