Schützen Speichelersatzmittel vor Schmelzerosionen?


Freitag, 07.11.2014
30-jährige Patientin mit starken Erosionen aufgrund einer Refluxerkrankung. Foto: Prof. Thomas Attin

Xerostomie-Patienten mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Schmelzerosionen profitieren von hochviskösen Speichelersatzmitteln. Dagegen sind Speichelersatzmittel auf Zitronensäurebasis oder mit niedrigem pH-Wert bei diesen Patienten nicht zu empfehlen. Das ergab eine Studie der Universität Zürich, die 2013 den 2. Platz beim „Wrigley Prophylaxe-Preis“ in der Kategorie „Wissenschaft“ belegte. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung.

Unter Xerostomie versteht man eine subjektiv empfundene Mundtrockenheit. Sie ist entweder durch Medikamente induziert oder tritt beispielsweise als Begleiterscheinung bei Autoimmunerkrankungen (Sjögren-Syndrom), Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich oder Infektionskrankheiten auf. In der Folge entstehen häufig dentale Erosionen. Zur symptomatischen Therapie der Mundtrockenheit stehen zahlreiche Mittel in Form von Sprays, Gelen, Ölen, Mundspüllösungen, Kaugummis und Pastillen zur Verfügung. Allerdings fehlten bislang eindeutige Studien zur Effektivität dieser Produkte.

Während ihres Forschungsaufenthalts an der Universität Zürich untersuchte nun Dr. Arzu Aykut-Yetkiner von der Ege Universität Izmir gemeinsam mit Kollegen unter Betreuung von Professorin Annette Wiegand (seit Oktober 2013 Universität Göttingen) und Professor Thomas Attin in einer In-vitro-Studie, inwieweit Speichelersatzmittel vor Erosion schützen. Die Wissenschaftler stellten Schmelzproben her und setzten sie in einem sogenannten Künstlichen Mund sechsmal täglich erosiven Attacken aus. Unmittelbar nach der Erosion trugen sie kommerzielle Speichelersatzmittel (12 Sprays, 3 Gele) auf. Vor und nach Erosion wurden die Proben mit künstlichem Speichel umspült. Als Positivkontrolle wurde eine zinnfluoridhaltige Mundspüllösung aufgetragen, Wasser diente als Negativkontrolle. Nach drei Tagen wurde der Substanzverlust gemessen und damit die Effektivität der einzelnen Speichelersatzmittel bestimmt.

Vier Speichelersatzmittel konnten den erosiven Zahnhartsubstanzverlust nicht reduzieren, sondern führten sogar zu einer signifikanten Zunahme der Erosion. Dafür könnte der niedrige pH-Wert oder die Zitronensäure als Inhaltsstoff der Präparate verantwortlich sein. Dagegen reduzierten einige Speichelersatzmittel (Aldiamed, EMOFLUOR, Glandosane, Oasis, Saseem) sowie biotene oralbalance Gel den erosiven Schmelzverlust signifikant um 60 bis 90 Prozent – die Schutzwirkung lag im Bereich der Positivkontrolle. Messungen ergaben, dass diese Produkte eine erhöhte Viskosität aufwiesen. Die Schutzwirkung dieser Produkte ist möglicherweise auf ihre besseren filmbildenden Eigenschaften zurückzuführen, wodurch sich eine mechanische Schutzschicht auf der Schmelzoberfläche ausbilden kann.

Prof. Dr. Thomas Attin, Universität Zürich

Quelle: Aykut-Yetkiner A, Wiegand A, Attin T: The effect of saliva substitutes on enamel erosion in vitro. J Dent 42(6):720-725 (2014)