Schallzahnbürsten verringern Abrasion von Dentin


Montag, 31.03.2014

Patienten mit freiliegenden oder erodierten Dentinoberflächen sollten eine Schallzahnbürste verwenden. So ließen sich Abrasionen minimieren, ergab eine Studie der Universitäten Göttingen und Zürich. Gesunder Schmelz hingegen vertrage eine manuelle Zahnbürste besser als eine Schallzahnbürste. Auf erodiertem Schmelz mache es wiederum keinen Unterschied, womit der Patient sich die Zähne putzt.

Defekte der Zahnhartsubstanz können durch Zähnebürsten verstärkt werden. Das liegt nicht nur an der Abrasivität der Zahnpasta, sondern auch die eingesetzte Zahnbürste und der Anpressdruck spielen dabei eine Rolle. Womit also die Zähne putzen bei nicht-kariösen Zahnschmelz- und Dentinläsionen? Wissenschaftler um Professorin Annette Wiegand und Professor Thomas Attin haben das getestet. Sie verglichen erstmals systematisch den Anpressdruck beim Zähneputzen mit einer Handzahnbürste und zwei Schallzahnbürsten. Die 27 Probanden putzten zunächst nach gewohnter Technik mit der entsprechenden Zahnbürste ihre Zähne. Nach der ersten Messung des Anpressdrucks erhielten sie Instruktionen zur Zahnbürsttechnik. Nach zwei Wochen häuslicher Zahnpflege nach der entsprechenden Technik ermittelten die Wissenschaftler nochmals den Anpressdruck.

Es folgte zudem eine In-vitro-Untersuchung: Gesunde und erodierte bovine Schmelz- und Dentinproben wurden in einer Bürstmaschine mit jeweils dem in vivo ermittelten Anpressdruck gebürstet. Die Abrasion ermittelten die Wissenschaftler mit einem Kontaktprofilometer. In allen Experimenten kam fluoridierte Zahnpasta zum Einsatz, in der Bürstmaschine außerdem künstlicher Speichel.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Insgesamt entstand beim Handbürsten ein signifikant höherer Anpressdruck (1,6 +/- 0,3 N) als mit den Schallzahnbürsten (0,9 +/- 0,2 N) – Modell und Frequenz der Schallzahnbürsten spielten dabei keine Rolle. Auch die Instruktion der Zahnputztechnik beeinflusste die Messergebnisse nicht. Professorin Annette Wiegand erläutert, warum: „Zum einen erlernen selbst hochmotivierte Patienten nur schwer eine Zahnputztechnik. Zum anderen pressen die Patienten eine elektrische Zahnbürste meist nur dann mit weniger Druck an, wenn sie ein Kontrollsystem hat.“ Dabei ist der Anpressdruck nicht überall gleich: Im Bereich der Prämolaren und Molaren war er auf den vestibulären Zahnflächen etwas geringer als auf den okklusalen, palatinalen und lingualen. „Die lingualen Flächen sind schwieriger zu erreichen. Wahrscheinlich wird der Anpressdruck dadurch unbewusst gesteigert“, sagt Wiegand.

Auf gesundem und erodiertem Dentin fiel die Abrasion mit den Schallzahnbürsten deutlich geringer aus als mit der Handzahnbürste – auf gesundem Schmelz umgekehrt, auf erodiertem Schmelz zeigte sich kein Unterschied. Je größer der Anpressdruck bei erodiertem Dentin, desto stärker die Kompression der exponierten Dentinmatrix – Bürstkopfdesign und Filamentstärke beeinflussen dabei nur geringfügig das Abrasionspotenzial. Hingegen hängt die Abrasion von Schmelz weniger vom Anpressdruck der Zahnbürste ab.

Text: Daniela Schmidt, wissen und worte, Hamburg

Quelle: Wiegand A., Burkhard J.P.M., Eggmann F., Attin T.: Brushing force of manual and sonic toothbrushes affects dental hard tissue abrasion. Clin Oral Investig 2013, 17 (3): 815 – 822. Diese Arbeit erhielt den Wrigley-Prophylaxe-Preis 2012.