Das sind die Preisträger des Dental Innovation Award 2017


Montag, 05.02.2018

Die Stiftung Innovative Zahnmedizin würdigt mit dem Dental Innovation Award (DIA) auch 2017 wieder herausragende zahnmedizinische Arbeiten. In der Kategorie „Fallpräsentation minimal-invasive Zahnerhaltung“ erhält Dr. Richard Wierichs den ersten Preis und Dr. Tim Hausdörfer den zweiten Preis. In der Kategorie „Innovative Idee/Erfindung oder innovatives Praxiskonzept“ geht der DIA an Professor Georg Strbac.

SIZ-Vorstand Prof. Hendrik Meyer-Lückel, die Preisträger Dr. Tim Hausdörfer und Dr. Richard Wierichs, SIZ-Beirat Prof. Stefan Rupf (v. l.)

Kariesmaskierung während kieferorthopädischer Behandlung

Dr. Richard Wierichs vom Universitätsklinikum der RWTH Aachen hat in einer Pilotstudie gezeigt, dass die Kariesinfiltration auch während einer kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Apparaturen das Erscheinungsbild von White-Spot-Läsionen (WSL) im Vergleich zur Fluoridierung positiv verändert. An der Studie haben fünf Patienten mit Multibracketapparaturen teilgenommen. Jeweils neun neu entstandene White-Spot-Läsionen wurden mit einem niedrig viskösen Kunststoff (Testgruppe) oder mit einem Fluoridlack (Kontrollgruppe) behandelt. Die Brackets wurden für die Behandlung nicht entfernt. Die Bewertung erfolgte über einen Zeitraum von einer Woche sowohl visuell als auch laserfluoreszenzoptisch und kolorimetrisch.

Vor der Behandlung ergab sich mit keinem der drei Beurteilungsmethoden ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Einen bzw. sieben Tage nach der Behandlung konnten kolorimetrisch eine signifikant stärkere Maskierung und visuell mittlere Verbesserungen der ICDAS-Grade in der Testgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden. Demgegenüber ergaben die laserfluoreszenzoptischen Messungen zu keinem Zeitpunkt einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Im Rahmen der Hauptstudie soll nun beobachtet werden, ob die Maskierung stabil bleibt und eine Kariesprogression während der weiteren kieferorthopädischen Behandlung durch frühzeitige Infiltration verhindert werden kann.

Kariesmanagement bei Jugendlichem mit Computersucht

Dr. Tim Hausdörfer von der Universität Göttingen beschreibt die zahnärztliche Behandlung eines Patienten mit PC-/Internetsucht über 2,5 Jahre. Bei der Erstvorstellung wies der Patient multiple kavitierte kariöse Läsionen und ein sehr hohes Kariesrisiko auf. Zunächst erfolgten eine intensive Mundhygieneunterweisung sowie die regelmäßige Durchführung von professionellen Zahnreinigungen und Fluoridierungsmaßnahmen. Der Erfolg der mechanischen Biofilmkontrolle wurde anhand von Mundhygiene-Indizes regelmäßig überprüft und verbesserte sich im Behandlungszeitraum deutlich.

Im Rahmen der restaurativen Behandlung konnten einige Zähne durch eine pulpaschonende selektive Kariesexkavation vital erhalten werden, obwohl eine Caries progressiva profunda vorlag. Trotz des insgesamt massiven Kariesbefalls konnten alle Zähne, zum Teil nach umfangreichen endodontischen und restaurativen Maßnahmen, erhalten werden. Der Patient stellt sich regelmäßig zur Nachsorge vor. Trotz intensiver Präventionsmaßnahmen ließ sich das Auftreten neuer initial-kariöser Läsionen nicht vollständig verhindern. Diese wurden mit direkten Kompositfüllungen (D1) bzw. Kariesinfiltration behandelt (E2). Zur Intensivierung der häuslichen Prophylaxe wurde eine hochkonzentrierte fluoridhaltige Zahnpasta rezeptiert. In den letzten Kontrolluntersuchungen zeigte sich der Patient ohne neue kariöse Läsionen.

Guided Surgery Methods

Die Nutzung moderner radiologischer 3D-Planungsverfahren hat die Sicherheit der dentalimplantologischen Therapie verbessert. Prof. Georg D. Strbac von der Universitätszahnklinik Wien hat einen Fall präsentiert, in dem ein dystoper und distal anguliert angelegter Zahn 45 mithilfe einer virtuell im Voraus geplanten Osteotomie und Autotransplantation erhalten und in seine natürliche Position eingeordnet wurde. Klinisch höchst anspruchsvoll war dabei die räumliche Nähe des retinierten Zahnes zum Nervus alveolaris inferior und schließlich auch zum Nervus mentalis am Foramen mentale. Im 6-monatigen Verlauf erwies sich das Vorgehen als klinisch erfolgreich. Für die Lösung dieses Falles wurden diagnostische (Digitale Volumentomografie) und therapeutische Hilfsmittel (virtuelle 3D-Planung und dadurch intraoperativ nutzbare 3D gedruckte Präparationsschablonen,) eingesetzt.

Die neue Operationsmethode „Guided Osteotomies & Guided Autotransplantation of Teeth“ beschreibt die virtuell geplante und mithilfe von 3D gedruckten Präparationsschablonen geführte Knochenosteotomie mit piezoelektrischen Instrumenten. Ziel ist eine akkurate und schonende Präparation eines Knochendeckels, um einen dystopen Spenderzahn atraumatisch zu entfernen. Anschließend wird die Knochenpräparation der Spenderalveole auch mithilfe von 3D gedruckten Präparationsschablonen und geführten rotierenden chirurgischen Instrumenten durchgeführt, ohne die empfindlichen Zahnstrukturen oder anatomischen Besonderheiten wie Nerven oder Blutgefäße zu verletzen. Diese 3D-Planungsmethode wird künftig sicher nicht nur einfache Behandlungen verbessern und Risiken minimieren, sondern auch in komplexen Fällen eine interdisziplinäre Behandlungsplanung und tatsächliche operative Durchführung ermöglichen.