Dental Innovation Award 2016 vergeben


Mittwoch, 14.12.2016

Die Jury hat entschieden: Der Dental Innovation Award 2016 geht an Christoph Schoppmeier aus Köln und Dr. Thomas Connert aus Basel. Die Stiftung Innovative Zahnmedizin würdigt damit auch in diesem Jahr herausragende Fallberichte und innovative Konzepte in der Zahnmedizin. Womit haben die Preisträger überzeugt?

Dentalfluorose gut mikroinvasiv behandelbar

Christoph Schoppmeier ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität zu Köln und konnte das Rennen in der Kategorie „Fallbericht zu einem komplexen non und- mikroinvasiven Kariesmanagement“ für sich entscheiden. Der Zahnmediziner hat festgestellt, dass sich Dentalfluorose gut mikroinvasiv behandeln lässt, bei Molarer-Inzisiver-Hypomineralisation (MIH) das Ergebnis hingegen unbefriedigend bleibt.

Wurden zur ästhetischen Rekonstruktion aufgrund von Mineralisationsstörungen in der Vergangenheit meist invasive Methoden wie Mikroabrasion, Füllungstherapie und Veenerversorgungen gewählt, stellt die Infiltration eines niedrigviskösen Kunststoffs mit anschließender Maskierung eine neue, mikroinvasive Therapieoption dar. In seinem Fallbericht vergleicht Schoppmeier die mikroinvasive Infiltrationstherapie zur Maskierung bei einer Patientin mit milder bis moderater Dentalfluorose (Fall 1) und die bei einer etwa gleichaltrigen Patientin mit MIH (Fall 2). Vorbereitend wurden die Zähne jeweils mit fluoridfreier Paste gereinigt. Außerdem wurde vor der Infiltration der Opazitäten ein In-Office-Bleaching der Zähne 15–25 und 35–45 mit einem Standardmaterial durchgeführt, um einen positiveren Maskierungseffekt und eine Farbharmonie zwischen erkranktem und gesundem Zahnschmelz zu erzielen. Darauf folgten die Infiltration mit 3 x 2 min Ätzung und 10 min Infiltration sowie eine abschließende  Politur.  

Bei der Patientin mit Dentalfluorose zeigte sich ein sehr gutes Ergebnis und fast alle fluorotischen Zähne konnten maskiert werden (Abb. 1). Bei der MIH-Patientin dagegen existierten die Opazitäten nach wie vor (Abb. 2). Es erschien, als ob durch die Ätzung und Infiltration die oberste Schmelzschicht entfernt wurde und dadurch der Läsionskörper besser zu sehen ist. Schoppmeier schließt daraus, dass der Läsionskörper deutlich tiefer in der Schmelzstruktur liegt als bei Fall 1. Falls die Infiltration nicht zum Erfolg führe, spreche jedoch nichts gegen weitere invasivere Behandlungsmethoden. Die Kombination aus Infiltration und Kompositfüllungen sei durchführbar, da die Adhäsivtechnik nicht behindert werde.

Abb. 1 Patientin mit Dentalfluorose, a vor der Behandlung, b nach der Behandlung
 

Abb. 2 Patientin mit MIH, a vor der Behandlung, b nach der Behandlung
 

Hohe Präzision mit Microguided Endodontics

Dr. Thomas Connert vom Universitären Zentrum für Zahnmedizin Basel hat die Jury in der Kategorie „Innovative Praxiskonzepte und Ideen“ überzeugt. Mit seinen Kollegen und Kooperationspartnern hat er „Microguided Endodontics“ entwickelt, ein präzises, minimalinvasives und vom Behandler unabhängiges Verfahren zur Behandlung von Zähnen mit Kalzifikationen des Wurzelkanalsystems und apikaler Parodontitis.

Kalzifikationen von Wurzelkanälen entstehen nach einem dentalen Trauma, im Rahmen der lebenslangen physiologischen Bildung von Sekundärdentin oder nach kieferorthopädischen Behandlungen. Bei vitaler Pulpa ist primär keine endodontische Behandlung notwendig. Etwa ein Drittel der Zähne mit kalzifizierten Wurzelkanälen nach Trauma bildet jedoch auf lange Sicht eine Pulpanekrose mit apikaler Parodontitis aus. Das Auffinden der „verengten“ Wurzelkanäle ist teilweise kaum möglich und es besteht eine erhöhte Perforationsgefahr. Selbst unter Verwendung eines dentalen Operationsmikroskops geht bei der Erstellung der Zugangskavität häufig viel Zahnhartsubstanz verloren. Um diese zu schonen und kalzifizierte Wurzelkanäle bis ins apikale Drittel der Wurzel schnell und punktgenau zu detektieren, wurde Guided Endodontics entwickelt. Dafür werden ein digitales Volumentomogram (DVT), ein intraoraler Oberflächenscan und eine Software benötigt, um die Datensätze zu überlagern.

Zunächst wird in dem dreidimensionalen Datensatz das virtuelle Abbild des Bohrers für die Wurzelkanaldetektion so platziert, dass die Spitze des Bohrers den Eingang des kalzifizierten Wurzelkanals erreicht (Abb. 3a). Dann plant man die Positionierung einer metallenen Führungshülse, die den Bohrer zielgenau führen soll. Ein implementiertes Softwaretool ermöglicht das Design der Bohrschablone (Abb. 3b), die von einem 3D-Drucker erstellt wird.

Abb. 3 Virtuelle Planung, a Positionierung des Bohrers (blau) im DVT-Datensatz, b Design der Bohrschablone
 

In die gedruckte Schablone wird anschließend die Führungshülse inseriert und die Schablone wird am Patienten angepasst. Eine Fensterung ermöglicht die Kontrolle des optimalen Sitzes (Abb. 4a). Da die für Guided Endodontics entwickelten Bohrer sich nur für die Entfernung von Dentin eignen, muss vorher der Schmelz entfernt werden. Nachdem dieser im Bereich der Zugangskavität mit einem Filzstift durch die Bohrschablone markiert wurde, wird er mittels diamantenem Schleifkörper bis auf das Dentin entfernt. Danach repositioniert man die Bohrschablone und die Wurzelkanaldetektion beginnt. Hierzu wird der Bohrer bei einer niedertourigen Drehzahl und intermittierenden Bewegungen bis zum Anschlag an die Bohrhülse gebracht und die Zugangskavität erstellt (Abb. 4b). Im Anschluss kann eine konventionelle Wurzelkanalbehandlung erfolgen.

Abb. 4 Realisierung bei einem Patienten mit apikaler Parodontitis an einem Oberkiefereckzahn als Langzeitfolge einer Dislokationsverletzung, a Anpassung der Schablone, b minimalinvasive Zugangskavität
 

Eine ex vivo-Studie bestätigte die hohe Genauigkeit dieser Technik: Mit einer mittleren Abweichung von 1,8° und 0,17–0,47 mm an der Spitze des Bohrers lassen sich präzise Zugangskavitäten bis ins apikale Drittel der Wurzel erstellen. Zudem ist diese Technik unabhängig vom Behandler. In der Studie wurde ein Zugangsbohrer mit einem Durchmesser von 1,5 mm verwendet. Da sich dieser sich nicht für den Einsatz an den grazilen Wurzeln der unteren Frontzähne eignet, haben Connert und seine Kollegen einen Bohrer mit einem Durchmesser von nur 0,85 mm und passender Hülse entworfen („Microguided Endodontics“). Dadurch verbesserte sich die Genauigkeit weiter.