Special Smiles: Gesunde Zähne für Menschen mit geistiger Behinderung


Montag, 23.11.2015
Special Smiles während der Nationalen Winterspiele von Special Olympics Deutschland 2015 in Inzell (Foto: SOD)

Menschen mit Behinderung gehören zur Hochrisikogruppe für Karies und Parodontalerkrankungen. Seit Juni 2015 unterstützt die Stiftung Innovative Zahnmedizin (SIZ) das Programm Special Smiles von Special Olympics Deutschland (SOD). Menschen mit geistiger Behinderung lernen darin, selbst für ihre Mundhygiene zu sorgen – eine ganz neue Qualität. Startete das Programm zunächst auf Sportevents, konnte es nun auf Werkstätten und Wohneinrichtungen ausgedehnt werden.

Untersuchungen haben ergeben, dass sowohl Kinder und Jugendliche, als auch Erwachsene mit geistiger Beeinträchtigung häufiger unter Karies leiden als durchschnittlich die gesamte Bevölkerung. Mögliche Gründe sind Begleiterkrankungen oder Beeinträchtigungen infolge eines gestörten Husten- oder Schluckreflexes. Oft sind die Menschen auch nicht in der Lage, die Mundhygiene selbstständig und adäquat durchzuführen. Teilweise gestaltet sich die zahnärztliche Behandlung schwierig.

Dreh- und Angelpunkt für eine bessere Mundgesundheit ist die Zahn- und Mundhygiene. Und hier setzt Special Smiles mithilfe der SIZ an: Am Rande der nationalen und regionalen Spiele von Special Olympics üben die Athleten unter Anleitung geschulter Helfer Zahnputztechniken, bekommen kostenlos spezielle, teilweise behindertengerechte Zahnbürsten und eine Zahnputzanleitung in Leichter Sprache. Zugleich werden die Athleten untersucht und Daten erhoben, die mit den Daten aus den Deutschen Mundgesundheitsstudien vergleichbar sind. Nach Special-Smiles-Erhebungen von 2006 bis 2014 benötigten 46 Prozent der untersuchten Athleten eine zahnmedizinische Behandlung, 13 Prozent akut. Die Helfer – Zahnärzte, zahnmedizinische Fachangestellte und Zahnmedizinstudenten – sind entsprechend den Bedürfnissen von Menschen mit geistiger Behinderung fortgebildet.

Für die Athleten ist dieses Angebot ein großer Gewinn. Einige von ihnen gehen nicht zum Zahnarzt oder haben große Angst vor der Behandlung. Bei den Wettbewerben dagegen ist die Hemmschwelle deutlich geringer: „Die Atmosphäre ist wenig medizinisch und die Athleten können in der Gruppe zum Zahnarzt gehen“, sagt Dr. Imke Kaschke, Leiterin des Healthy Athletes® Programms, dessen zahnmedizinischer Teil Special Smiles ist. Die Athleten erleben zudem unterhaltsame Motivation zum Zähneputzen, etwa mit fluoreszierenden Färbemitteln. Die Unterstützung der SIZ ermöglicht nun auch, das Programm auf Werkstätten und Wohneinrichtungen auszudehnen. Der Vorteil: Die Menschen befinden sich dort in ihrem täglichen Lebensumfeld und die Betreuer werden gleich mitgeschult.

In Deutschland leben rund 420.000 Menschen mit geistiger Behinderung. Etwa 40.000 von ihnen im Alter von 12 Jahren bis Mitte 60 sind aktive Athleten bei Special Olympics. Bei den nationalen Sommerspielen treten sie beispielsweise im Rudern, Schwimmen, Reiten und Tennis gegeneinander an, bei den nationalen Winterspielen etwa im Eiskunstlaufen und Skilanglauf.

Text: Daniela Schmidt, wissen und worte